Die Osteopathie

Das Ziel der Osteopathie ist es, sowohl die freie Bewegung des Gewebes als auch den freien Fluss der Nervensignale und Flüssigkeiten im Körper wieder herzustellen und dadurch den Körper in die Lage zu versetzen, seine eigenen Heilungskräfte möglichst effizient einsetzen zu können. Hierzu werden der Bewegungsapparat, die Organe sowie das Nervensystem mit dosierten Handgriffen behandelt.

Der osteopathische Befund

Der Therapeut verlässt sich bei der Suche nach Dysfunktionen im Körper auf das Feingefühl seiner Hände. Er tastet nach zum Teil nur geringen Spannungsunterschieden in den Faszien, Muskeln und Gelenken, erfühlt die Beweglichkeit und Lage der Organe und beurteilt u.a. am Kopf die Gleichmäßigkeit des sogenannten Craniosakralen Rhythmus. Letzterer ist nach dem Konzept der Osteopathie ein entscheidender Impulsgeber für die Steuerung der Körperprozesse.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden mit den Beschwerden des Patienten in den verschiedenen Körpersystemen (z.B. Verdauungsprobleme, Schmerzen, Blasen-Nieren-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Probleme) abgeglichen und in einen diagnostischen Kontext gebracht.
Mit Hilfe der Erkenntnisse aus Anatomie und Physiologie sowie des Wissens um das Zusammenspiel der Organfunktionen, der Informationswege von Hormon- und Nervensystem und der mechanischen Bewegungsketten im Muskel-Knochen-Faszien-Apparat wird schließlich der Therapieansatz erstellt.

Die Behandlung

In der Behandlung wird dann der Körper an jenen Stellen behandelt, die im Befund auffällige Veränderungen zum Beispiel der Gewebespannung haben. Diese Spannungen beeinträchtigen aus Sicht der Osteopathie die freie Zirkulation der flüssigen Zellumgebung sowie die Transportwege der Flüssigkeiten (wie Venen und Lymphbahnen). Außerdem können sie über die Kommunikationswege des Nervensystems zu reflektorischen Spannungserhöhungen an anderer Stelle führen und zudem in diesen Gebieten die Schmerzwahrnehmung verstärken.

Um diese Spannung zu beeinflussen nutzt die Osteopathie unterschiedlich dosierte Behandlungstechniken. Diese reichen von der sanften Verschiebung des Gewebes bis zur kräftigen Mobilisation von Gelenken und intensiven Techniken im Fasziengewebe (der Umhüllung der Muskulatur), meist mit dem Ziel, Bewegung dort wieder zu verbessern, wo sie derzeit eingeschränkt ist, sowohl in den Gelenken und in benachbarten Muskeln, als auch zwischen den Organen.

Die Ursprünge

Das grundlegende Konzept der Osteopathie wurde von Andrew Taylor-Still im späten 19. Jahrhundert entwickelt. Seine Überzeugung war, dass der Mensch mit der Fähigkeit zur Heilung ausgestattet ist, diese aber zum Teil nicht voll entfalten kann, wenn oben erwähnte Einschränkungen im Gewebe vorliegen. Seine Behandlung konzentrierte sich dabei noch vor allem auf den Bewegungsapparat.
Einer seiner Schüler ergänzte die bisherige Lehre um die Craniosakrale Therapie, deren Fokus im Bereich des Schädels (insbesondere der Schädelnähte) und dessen Verbindung zum Kreuzbein am anderen Ende der Wirbelsäule liegt. Auch die Hypothese vom oben erwähnten craniosakralen Rhythmus stammt von ihm.
In den 1980’er Jahren erweiterte sich schließlich die Diagnostik und Behandlung um den Bereich der inneren Organe und die Osteopathie erhielt somit das letzte der drei hauptsächlichen Standbeine.

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